1.200 Jahre Denkingen

Einer Urkunde, über alle die Jahrhunderte sorgsam im Kloster St. Gallen aufbewahrt, verdanken wir im kommenden Jahr 2018 das 1.200-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung unserer Gemeinde Denkingen.

Urkunde VorderseiteUrkunde Rückseite

Natürlich siedelten schon weit früher Menschen auf unserer Gemarkung, aber sie hinterließen keine schriftlichen Zeugnisse, wohl aber Grabstätten, Münzen und Scherben.

Der bislang älteste Beweis einer Besiedelung unserer Gemarkung stammt aus der Mittelbronzezeit um 1500 v. Chr. und der Spätbronzezeit um 1300 v. Chr.

Hierbei handelt es sich um Scherben, welche bei Drainagearbeiten im Gewann „Heselen“ und auf den Fluren „Hinter-hausen“ und „Littental“ gefunden wurden. Nördlich der Friedhofstraße in der Flur „Lehrwiesen“ konnte anhand von Scherben eine Siedlung der ausgehenden Bronzezeit 1300 – 800 v. Chr. nachgewiesen werden. Funde aus der Hallstattzeit 800 – 450 v. Chr. und Frühlaténezeit 450 – 300 v. Chr. wurden in den Fluren „Heselen“ und „Littental“ nachgewiesen.

Alemannische Siedlungen konnten anhand von Grabstätten und Skelettfunden und römische Besiedlung anhand von Mauerresten nachgewiesen werden.

So siedelten im Laufe der Geschichte Menschen unterschiedlicher Herkunft auf unserer Gemarkung und hinterließen alle auf ihre Art und Weise Spuren ihres Daseins in Denkingen.

Wie bereits erwähnt, stammt die erste urkundliche Erwähnung unserer Gemeinde aus dem Jahre 818 und dieses Ereignis wird 2018 mit einem Jubiläumsjahr „1200 Jahre Denkingen“ gebührend gefeiert.

Ego enim in dei nomine Theotmarus pro anime mee remedio et uxoris mee videlicet Ratsinda vel pro aeterna retributione trado atque l transfundo ad monasterium sancti Galli quicquid in hac presente die visus sum iure proprietatis possidere in villa, que dicitur Than-chinga.

„Ich, Theotmar, gebe und übertrage im Namen Gottes, zu meiner und meiner Gattin Ratsinda Seele Heil, und zur ewigen Vergeltung an das Kloster St. Gallen alles, was ich am heutigen Tag an Eigentum offenkundig besitze in dem Dorf Thanchinga (Denkingen), an Äckern, Wiesen, Wäldern, Gewässern und Wasserläufen oder was immer genannt und erwähnt werden kann. All dies übergebe ich voll und ganz dem oben genannten Kloster, in der Weise nämlich, dass ich, solange ich lebe, daraus den Zins genieße Jahr für Jahr, nämlich einen halben Solidum in Silber, in Wachs und in lebenden Tieren oder auch in Korn.

Nach meinem Tode aber, wenn Wolfbert die genannten Rechtsamen haben will, sei er mit demselben Zins bedient Jahr um Jahr, aber nur er selbst. Und nach dem Tode von uns beiden, soll die genannte Rechtsame ans Kloster zurückfallen ohne irgendwelchen Einspruch, zu ewigem Besitz.

Falls aber – was ich nicht glaube – sei es ich selbst – was mir ferne sei – oder irgendeiner meiner Erben gegen diese Schenkung angehen wollte oder sie an sich zu reißen versuchen sollte, dann soll er Buße zahlen an den Fiskus, nämlich 1 Unze Gold, 2 Pfund Silber. Und was er sucht, soll er nicht bekommen können, sondern die gegenwärtige Schenkung soll zu jeder Zeit fest und stabil bestehen mit der angefügten Klausel.

So amtlich geschehen im Dorfe, das heißt Thanchingas in Gegenwart deren Siegelzeichen hier nachfolgen:

Siegel des Kaganhart, S. Panzo, Liuvihon, Amalbert, Egilhart, Einhart, Altolf, Egilbert, Heribert, Otbert, Rihger, Chunibert, Rihhart, Wallod, und Heimon.

Und ich, Hilteratus, habe dies, auf Bitten, geschrieben und unterschrieben. Ich zeichne es auf am Sonntag, den 6. Tag vor den Iden des Oktobers im 6. Jahr der Regierung des Herrn Königs Ludwig unter Herzog Tiso. Demzufolge am 10. Oktober 818.“

(thanchinga – Denkingen. Aus der Denkinger Heimatkunde. Gebr. Josef und Gebhard Fetzer. Herausgeber Gemeinde Denkingen 1986)

Ob die Schenkung nun tatsächlich dem Seelenheil von Theotmar und seiner Gattin Ratsinda gutgetan hat, werden wir nie erfahren.  Immerhin aber verdanken wir dieser großzügigen Vorsorge für das Seelenheil die Urkunde mit der erstmaligen Erwähnung unserer Gemeinde Denkingen.

Derartige Spenden zum Wohl des eigenen Seelenheils oder des Seelenheils von Verwandten entsprachen dem damaligen gängigen Glaubensverständnis, welches dann im Ablasshandel seinen endgültigen unrühmlichen Höhepunkt fand. Erst mit Martin Luther begann sich vor 500 Jahren ein anderes Verständnis von Glaube und Vergebung, von Gnade und Seelenheil auch in der Katholischen Kirche durchzusetzen.

Die Handlung um die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde Denkingen vor 1.200 Jahren hat Jeremias Heppeler aus Fridingen in seinem Historienspiel zur 1.200 Jahrfeier verarbeitet. Die Gruppe „Denkinger Dorftheater“ wird dieses extra für das Jubiläum geschriebene Historienspiel, am 21. und 22. Juli 2018 vor dem Rathaus aufführen. Dieses Theaterstück wird einer der großen Höhepunkte des Festkalenders werden.

Ein Ort bereitet sich auf das große Jubiläumsjahr vor!

Bereits im Jahre 2015 wurde mit den ersten Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 2018 begonnen. Nachdem der Gemeinderat „grünes Licht“ für die Vorbereitungsarbeiten gegeben hatte, begann eine kleine Arbeitsgruppe mit den ersten Überlegungen. Diese Arbeitsgruppe gab die grobe Richtung vor, wie man sich dieses Jubiläum vorstellen sollte, welche Themen abgearbeitet werden sollen und wie man sich organisatorisch aufstellen könnte.           

Bei zwei Workshops, von Gemeinderätin Tanja Köhler professionell geleitet, wurde es dann konkret. Die einzelnen Vorschläge wurden auf ihre Umsetzungsmöglichkeit hin geprüft und einzelne Themen zusammengefasst. Schließlich wurden für die großen Themen jeweils kleine Arbeitskreise gebildet, die dann sehr erfolgreich getagt haben.

Am Ende kam ein Festprogramm heraus, das sehr anspruchsvoll und sehr ambitioniert ist. Die ganze Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in Gemeinde, Kirchen, Vereinen, Kindergärten, Grundschule, Bürgerhaus usw. kommt in diesem Programm zum Ausdruck.